OY-CBX 2018 (Uli und Stefan mit Ventus b/16.6, also ohne Motor)

OY-CBX 2018 (Uli und Stefan mit Ventus b/16.6, also ohne Motor)

Nachdem wir 2017 einen 1981er Ventus b/16.6 erworben hatten, wollten wir im Sommer 2018 einen entschärften Wandersegelflug zu zweit mit Einsitzer unternehmen: also mit Rückholer und Hänger.

Vorbereitend hatten wir über Facebook (segelfliegen) nachgefragt, wo Fluglager sind: weil andre Leute treffen schön ist :-)

Schliesslich fuhren wir eine ganze Menge im Auto, aber flogen auch für uns ganz zufriedenstellende Strecken und noch dazu in Gegenden, die wir vorher nie beflogen hatten. Und wir haben viele nette und vor allem hilfsbereite Fliegerkameraden überall getroffen:

übersichtskarte

(die roten linien sind Segelflüge, die lila Linien reine Auto-Touren mit der BX im Hänger)

Sonntag 5/8: Wir starten unsere Tour am Sonntag morgen von unserem Heimatflugplatz EKVH, Vesthimmerland in Nord-Dänemark. Schon im Briefing um 0900 wird klar, dass das Wetter uns heute nur hold ist, wenn wir planen, mit 60 km/h Rückenwind übers Kattegat nach Schweden zu fliegen. Dafür fühlen wir uns noch nicht gerüstet. Deshalb fahren wir die Strecke bis Lüneburg, wo wir schon im voraus ein Hotel gebucht hatten. Aber es reicht wenigstens zu einem kleinen Abstecher beim Aero Club Kropp nicht weit vom Fliegerhorst Schleswig. Statt eines Schlepps gibt es Kaffee und Kuchen und ein paar Seufzer, weil die Basis immer noch sehr niedrig und die Windkomponente ziemlich groß ist. Naja, es ist Sonntag, und der Urlaub hat gerade erst begonnen. 

Wir benutzen travelbyglider.eu, um nach Startmöglichkeiten für den Montag auszuspähen. Das klappt ausgezeichnet. Uelzen hat Kapazität und aus Coburg (!) wird uns Hilfe angeboten, einen Start von Tarmstedt aus für den nächsten Vormittag zu organisieren. Also gleich zwei Startmöglichkeiten. Allerdings sehen alle Wettermodelle Blauthermik vorher… 

Montag 6/8: Der Kontakt zu Thomas aus Tarmstedt, der zur Zeit in Coburg weilt, zahlt sich aus, denn er hat aus der Ferne einen Schlepp für uns für 12:00 Uhr organisiert. Das ist uns sehr recht, denn das mit der Blauthermik hat sich leider bewahrheitet. Die Modelle sagen gute Thermik weiter westlich bis in die Niederlande voraus. Über Uelzen soll an diesem Tag Kalk abgeworfen werden, also fällt die Entscheidung nicht weiter schwer: Ab nach Tarmstedt zur Airbus Segelfluggemeinschaft Bremen, wo wir auch herzlich aufgenommen werden. Es ist sehr heiß, wir lassen uns beim Aufbauen Zeit und der Start erfolgt erst um 14:00. Den Modellen muss an diesem Tag auch heiß gewesen sein, denn vor der Inversion in 850m hatte uns keines gewarnt. Es war wie mit dem Kopf an die Decke zu stoßen. Trotzdem fliegt Uli los, nach Westen, in die hoffentlich gute Thermik? Es wurde die wohl kürzeste Wandersegelflugstrecke der Welt. Nach nur 32 km die Landung auf dem Fluggelände Osterholz-Scharmbeck. Aber immerhin, die erste echte Strecke wurde ja bewältigt, jeder Kilometer zählt. Der Platz ist hübsch, leider recht verlassen, und wir packen die BX wieder in den Hänger und fahren für den nächsten Tag nach Quakenbrück, wo wir bereits wieder einen F-Schlepp dank travelbyglider.eu mit Andreas organisieren konnten. Ein Bierchen am Platz mit den Quakenbrückern versöhnt Uli mit dem Tag. Am Abend genießen wir feine lokalproduzierte Schnäpse und gute Gesellschaft im Rheinischen Hof in Dinklage.

Dienstag 7/8: Der Tag startet mit merwürdigen Wolken, die aber Konvektion anzeigen: 

Henry hilft uns, den Flieger klarzumachen, und zieht Stefan in der BX in die Luft. Diesmal haben wir voll ins Schwarze getroffen. Stefan glaubte erst nicht an die vorhergesagte Wolkenthermik, aber schon beim Start zeigen sich die ersten zarten Cumulus-Bäuschchen und der Tag wird richtig gut. Uli beeilt sich mit dem Losfahren, doch schon nach einer Stunde reißt der Funkkontakt ab, denn die BX ist einfach viel schneller. Unten sind es bis zu 39 Grad, während es Stefan oben in 3000 m manchmal etwas kühl wird. Kommunikation in zwei Richtungen ist so gut wie unmöglich, manchmal kommen per SMS Bescheide, in welche Grobrichtung es geht. Flighttracker24 geht aber auch. Travelbyglider.eu listet Aue bei Hattorf als Startmöglichkeit auf, und da Stefan nun Richtung Harz unterwegs ist, sendet Uli diesen Vorschlag per SMS als Landepunkt. Die BX wäre noch viel weiter als die geflogenen 340km gekommen, selbst um 19 Uhr stehen die Wolken noch in 3000m Höhe bis zum Horizont nördlich des Harzes, aber das Auto mit Hänger leider nicht. Die Sonne ist bereits untergegangen, als der Flieger abgerüstet und eingepackt wird, leider ist niemand mehr am Flugplatz. Der nächste Gasthof wird unser Übernachtungsort.

(über dem Teutoburger Wald muss die Freiheit wohl grenzenlos ... dank Bremen/Langen Information)

(um 18:35 immernoch gute Thermik über dem nördlichen Harz)

Mittwoch 8/8: Nach einem rekordwarmen Tag zuvor waren die Nachttemperaturen leider extrem warm und damit an Schlafen nicht zu denken. 

Die Stimmung ist am nächsten Morgen zunächst am Tiefpunkt. Wir gehen ins Schwimmbad als Stimmungsaufheller. Als wir um 12 Uhr am Flugplatz wieder eintreffen, sieht das Wetter noch immer alles andere als einladend (trocken und blau) aus. Jonas vom Fliegerklub kommt heim von einem Wettbewerb und fragt, ob er was für uns tun kann. Wir haben den Tag aber schon gedanklich abgehakt und bedanken uns. Großer Fehler. Als Jonas vom Platz gefahren ist, baut die Thermik plötzlich auf, und wir machen lange Gesichter. Wir fahren bedröselt mit dem Hänger nach Schwalmstadt, wo die Akaflieg Frankfurt gerade ein Anfängerfluglager durchführt. Ankunft 16:00, die BX steht am Windenstart um 17:00 und die Thermik am Abend entschädigt ein bisschen für die verpasste Chance. Es werden 115 km für Uli, plus ein superlecker Essen und nette Gespräche am langen Akaflieg-Tisch am Abend. Übernachtet wird dieses Mal nicht im Hotel, sondern am Platz, wo es angenehm kühl ist und wir diesmal gut durchschlafen können.  

Donnerstag 9/8: Wir beschließen, weil die Wettervorhersage Regen und Gewitter für den Nachmittag vorhersagen, nochmal Stefan den Vortritt zu geben, damit Uli am Freitag hoffentlich die Vorteile der Kaltfrontrückseite genießen kann. Stefan lässt sich mit den Vorbereitungen etwas Zeit und füllt die BX mit Wasser. Das anvisierte Ziel heißt Vielbrunn bei Michelstadt im Westen. Um 13 Uhr stehen die Wolken. Die BX wird in den Windenbetrieb eingereiht. Um 13:45 macht Stefan seinen ersten Versuch an der Winde. Es ist schon schattig. Zu schattig. Die BX schafft es nicht und kommt schon nach kurzer Zeit wieder runter. Zweiter Start. Wieder kein Glück. Nach der Landung lässt Stefan das Wasser aus den Tanks laufen. Es ist noch schattiger geworden. Es beginnt zu regnen! Stefan ist frustriert und will den Tag am liebsten canceln. Aber am Horizont locken immer noch die Wolken und in der Ferne Richtung Süden und Osten sieht es freundlich und sonnig aus. Wir finden einen Schlepppiloten aus Schwalmstadt, der bereit ist, seine Maschine in einer Regenpause auszuräumen und Stefan in die Sonne zu schleppen. Der Plan geht auf. Die Front bewegt sich Richtung Osten, und beim Fahren regnet und gewittert es. Aber die BX fliegt vor der Front her und kommt den Thüringer Wald entlang gut voran. Am Abend nach einer etwas spannenden Landung in Coburg Brandensteinsebene (starkes Lee) und 193km kann Stefan wieder froh lachen. Hier in der Fränkischen gibt es am Abend auch fränkischen Weißwein und natürlich “Bratwoaschd”.

nach der Landung in Coburg

Freitag 10/8: Die Rückseite baut schon frühzeitig auf. Der Kontakt zur Mannschaft der Brandsteinsebene ist sehr nett. Ein F-Schlepp Start um 11:00 kann organisiert werden und wird alsbald sehnsüchtig herbei gewünscht, da das Wetter besser wird. Die Schleppmaschine “Remo” erweist sich als sehr kräftig, den Ventus schüttelt es kräftig durch, als es zügig an der Veste Coburg in Richtung Thüringer Wald losgeht. Doch die Basis steht noch niedrig, mit kaum 1000m über Grund, und so ist das Wasser beim Flug den Thüringer Wald entlang auch nicht so unbedingt ein Vorteil, jedenfalls nicht wenn man den Boden näher kommen sieht. Bei Bad Hersfeld entscheidet Uli, das Wasser rauszulassen. Die BX fühlt sich jetzt in der Thermik leicht an und steigt wie ein Heliumluftballon. Nun geht es zügig an Kassel vorbei in Richtung Rothaargebirge und Eifel. Doch plötzlich ziehen die Wolken sich zusammen, und die Thermik lässt spürbar nach. Uli tastet sich in Richtung einiger Flugplätze weiter, doch es reicht nicht zum Weiterfliegen und die BX landet schon früh nach 263km um 16:30 auf dem Flugplatz Bottenhorn. Wir treffen hier eine ganze Reihe sehr engagierte und nette Fliegerkollegen, und hören leider auch die traurige Geschichte über einen Einbruch in die Vereinshalle in der Nacht zuvor… :(  Ein Windenstart wird uns aber für den nächsten Morgen versprochen.

(flugplatz Burgwald auf dem Weg nach Bottenhorn)

Samstag 11/8: Heute soll es nach Norden gehen, so weit wie möglich. Es fällt uns schwer, uns von Bottenhorn zu verabschieden, und offenbar geht es Bottenhorn genauso, denn der Einstieg in die Thermik erweist sich als überaus schwierig. Erst als der Arcus ein wenig Geburtshilfe beim Finden des Hausbartes (?) gibt, gelingt es Uli, sich vom Berg in die Lüfte zu schwingen und gleich danach abzufliegen. Es geht zügig voran, aber das mit Norden ist wieder nicht so einfach wie gedacht, da der Westwind mit 35 km/h sich bemerkbar macht, und jeder Kreis nach Osten versetzt. Am späten Nachmittag kommt eine Front dazu und sperrt den Weg nach Norden endgültig. Uli entscheidet sich nach 290km zur Landung auf der “Roten Wiese” bei Helmstedt, weil dieser Platz günstig an der Autobahn A7 gelegen ist. Zwei Stunden später kommt Stefan mit dem Hänger an und wir packen die BX ein letztes Mal in ihr Hängerbett ein, denn am nächsten Tag fahren wir glücklich nach Hause.   

(vor dem Start in Bottenhorn)

(vom Boden aus sieht es nochmal gut aus: im Rothaargebirge)

 

Abschliessend danken wir travelbyglider.eu und Facebook/segelfliegen ohne die wir kaum all die vielen engagierten Fliegerkameraden gefunden hätten, die uns geholfen haben, in die Luft zu kommen, und die richtigen Flugwege zu nehmen. Das schliesst den fast immer super-freundlichen und nicht zu formellen Service von Bremen und Langen Information mit ein, die treuen Berater in allen Wetter- und Luftraumfragen. Benutzt den Fluginformationsservice, die beißen definitiv nicht und helfen sehr gut.